HRI-Freitagsbrief · 25. September 2026

H₂, H₂/O₂ und HHO⁺ / Brown’s Gas: Wir müssen genauer hinschauen, was tatsächlich untersucht wurde

Neue Erkenntnisse aus unserer Literatur- und Technikrecherche zeigen: Ein Teil der bisherigen „H₂-Inhalationsforschung“ wurde tatsächlich mit gemeinsam elektrolytisch erzeugtem H₂ und O₂ durchgeführt.

Liebe Leserinnen und Leser,

diese Woche hat uns bei der Auswertung der Wasserstoffforschung etwas beschäftigt, das zunächst wie ein technisches Detail aussieht – wissenschaftlich aber ausgesprochen wichtig ist.

In vielen Publikationen lesen wir Begriffe wie „Hydrogen Inhalation“ oder „Hydrogen-Oxygen Inhalation“.

Aber welches Gas wurde tatsächlich inhaliert – und wie wurde es erzeugt?

Denn für eine wissenschaftliche Einordnung müssen wir mindestens drei Anwendungen unterscheiden:

H₂ – molekularer Wasserstoff.

H₂/O₂ – ein Wasserstoff-Sauerstoff-Gemisch, das beispielsweise auch mit PEM/SPE-Technologie erzeugt werden kann.

HHO⁺ / Brown’s Gas – H₂ und O₂ werden gemeinsam elektrolytisch erzeugt, typischerweise ungefähr im stöchiometrischen Verhältnis 2:1.

Diese Unterscheidung ist wichtig, weil wir sonst Studien miteinander vergleichen, obwohl die Teilnehmer möglicherweise unterschiedliche Gasformen erhalten haben.

Und genau dabei haben wir diese Woche etwas Interessantes gefunden.

1 · Etabliert bezüglich der Gaszusammensetzung

Einige vermeintliche „H₂-Studien“ wurden tatsächlich mit HHO⁺ / Brown’s Gas durchgeführt

Bei mehreren Humanstudien taucht derselbe Generator auf: der Hycellvator ET100 von Helix Japan.

Helix gibt für das Gerät eine elektrolytische Gaserzeugung mit ungefähr 1.200 ml/min H₂ + 600 ml/min O₂ an – also rund 1.800 ml/min Gesamtgas und ein Verhältnis von ungefähr 2:1.

Wissenschaftliche Arbeiten beschreiben beziehungsweise analysieren das erzeugte Gas mit ungefähr 68 % H₂ und 32 % O₂.

Gasform: HHO⁺ / Brown’s Gas
Generator: Hycellvator ET100 · Helix Japan
Gas: ca. 68 % H₂ / 32 % O₂
Gesamtflow: ca. 1.800 ml/min

Unsere technische Nachrecherche liefert darüber hinaus starke Hinweise, dass die ältere ET100-Generation mit alkalischer Wasserelektrolyse arbeitet. Japanische technische Quellen ordnen den ET100 dieser Technologie zu. Helix bezeichnet dagegen seine neueren PEM-Systeme ausdrücklich als PEM-Technologie.

Den vollständigen inneren Aufbau der ET100-Elektrolysezelle wollen wir dennoch weiter verifizieren. Insbesondere Elektroden und möglicher Separator sollten technisch noch genauer dokumentiert werden.

HRI-Relevanz: Studien mit diesem Generator sollten künftig nicht pauschal als Untersuchungen mit reinem H₂ eingeordnet werden.

→ Hycellvator ET100 · Herstellerinformation

2 · Beobachtet · kontrollierte Humanstudie

HHO⁺ / Brown’s Gas nach körperlicher Belastung

In einer kontrollierten Untersuchung erhielten acht gesunde Männer nach körperlicher Belastung Gas aus dem Hycellvator ET100.

Die Publikation beschreibt einen Gesamtflow von 30 ml/s beziehungsweise 1.800 ml/min mit ungefähr 68 % H₂ und 32 % O₂.

Untersucht wurden unter anderem Marker oxidativer DNA-Schädigung sowie die körperliche Leistungsfähigkeit während der anschließenden Erholungsphase.

Besonders interessant ist eine Einschränkung, welche die Wissenschaftler selbst ansprechen: Weil H₂ und O₂ gemeinsam inhaliert wurden, lässt sich aus dieser Untersuchung nicht eindeutig bestimmen, welcher Anteil der beobachteten Veränderungen auf H₂ allein und welcher möglicherweise auf die Kombination zurückzuführen ist.

HRI-Relevanz: Hier liegt eine kontrollierte Humanuntersuchung mit gemeinsam elektrolytisch erzeugtem H₂/O₂ – in unserer Einordnung HHO⁺ / Brown’s Gas – vor. Was weiterhin fehlt, ist der direkte Vergleich bei vergleichbarer H₂-Exposition:

H₂ ↔ H₂/O₂ ↔ HHO⁺ / Brown’s Gas

→ Originalpublikation lesen

3 · Beobachtet · Humanuntersuchung

HHO⁺ / Brown’s Gas, Durchblutung und Beweglichkeit

Eine weitere japanische Untersuchung verwendete ebenfalls den Hycellvator ET100 und damit ein Gasgemisch von ungefähr 68 % H₂ und 32 % O₂.

Untersucht wurden unter anderem Gefäßparameter der unteren Extremitäten, Muskelflexibilität, Gelenkbeweglichkeit und Sprungleistung.

Für die untersuchten Parameter zeigte sich kein eindeutiger signifikanter Interaktionseffekt.

Das gehört genauso zur wissenschaftlichen Bewertung wie positive Ergebnisse. Für HRI ist deshalb nicht nur die Frage wichtig „Wo wirkt es?“ , sondern ebenso:

Unter welchen Bedingungen sehen wir keine oder nur geringe Reaktionen?

→ Japanische Originalpublikation

4 · Beobachtet · klinische Humanforschung

HHO⁺ / Brown’s Gas wurde auch bei Krebspatienten untersucht

Bei unserer erneuten Recherche fanden wir den ET100 auch in mehreren klinischen Arbeiten mit Krebspatienten.

Eine Arbeit mit 55 Patienten beschreibt ausdrücklich eine Gaszusammensetzung von ungefähr 680.000 ppm H₂ + 320.000 ppm O₂ – entsprechend etwa 68 % H₂ und 32 % O₂.

Eine weitere Humanarbeit bei 56 Patienten mit Lungenkrebs untersuchte unter anderem mitochondriale und immunologische Zusammenhänge bei erschöpften CD8+-T-Zellen im Zusammenhang mit einer Nivolumab-Behandlung. Auch dort wurde der ET100 eingesetzt.

Wichtig: Diese Arbeiten zeigen nicht, dass HHO⁺ / Brown’s Gas eine Krebstherapie darstellt. Sie zeigen, dass diese Gasform bereits in klinischer Humanforschung bei Krebspatienten eingesetzt und hinsichtlich biologischer beziehungsweise klinischer Parameter untersucht wurde.

HRI-Relevanz: Diese Arbeiten sollten in der HRI-Literaturdatenbank künftig nach der tatsächlich verwendeten Gasform klassifiziert werden und nicht pauschal als „H₂-Inhalation“.

→ Klinische ET100-Publikation

→ Studie zu CD8+-T-Zellen und Nivolumab

5 · Beobachtet · randomisierte Pilotstudie 2026

Aktuelle klinische Forschung verwendet ebenfalls den ET100

In einer 2026 publizierten Pilotstudie bei Patienten mit lokal fortgeschrittenen Kopf-Hals-Tumoren wurde ebenfalls der Hycellvator ET100 eingesetzt.

Insgesamt 20 Patienten erhielten entweder die Standard-Chemoradiotherapie oder zusätzlich eine tägliche einstündige Gasinhalation vor der Bestrahlung.

Untersucht wurden unter anderem metabolomische Veränderungen und therapieassoziierte Belastungen.

Auch hier gilt: Es handelt sich nicht um einen Nachweis von HHO⁺ als Krebstherapie. Untersucht wurde die Gasinhalation begleitend zu einer etablierten onkologischen Behandlung.

HRI-Relevanz: Die Anwendung von gemeinsam erzeugtem H₂/O₂ ist damit nicht nur Bestandteil älterer experimenteller Arbeiten, sondern findet sich auch in aktueller klinischer Humanforschung.

→ Pilotstudie 2026 lesen

6 · Beobachtet · klinische Studie

Nach Leberoperation: weitere Untersuchung mit dem ET100

Im japanischen Studienregister findet sich außerdem eine Untersuchung nach Leberresektion mit insgesamt 68 Patienten.

Das Register nennt ausdrücklich das „Hydrogen Oxygen Inhalation Device – Hycellvator ET100“. 34 Patienten gehörten zur Inhalationsgruppe und 34 zur Kontrollgruppe.

Berichtet wurde unter anderem eine Verbesserung bestimmter postoperativer Lebensqualitätsparameter. Eine eindeutige Reduktion postoperativer Komplikationen wurde dagegen nicht festgestellt.

HRI-Relevanz: Auch hier zeigt sich, warum biologische Reaktion, klinischer Endpunkt und tatsächliche Gasexposition getrennt betrachtet werden müssen.

→ Japanisches Studienregister

HRI-Einordnung

Was wir diese Woche daraus gelernt haben

Die wichtigste Erkenntnis dieser Woche ist für uns nicht eine einzelne neue Indikation.

Sie ist methodischer:

Wir müssen die Wasserstoffliteratur genauer lesen.

Ein Paper kann von „Hydrogen Inhalation“ sprechen – und trotzdem wurde möglicherweise kein reines H₂ inhaliert.

Deshalb wollen wir beim HRI künftig bei jeder Inhalationsstudie möglichst genau dokumentieren:

Gasform → Erzeugungstechnik → H₂/O₂-Verhältnis → Flow → Inhalationsdauer → tatsächliche Exposition

und anschließend:

Ausgangszustand → biologische Reaktion → Adaptation → Erholung

Unsere Begriffe

H₂
Molekularer Wasserstoff ohne gemeinsam erzeugten Sauerstoff.

H₂/O₂
Ein Wasserstoff-Sauerstoff-Gemisch – beispielsweise auch aus PEM/SPE-Systemen.

HHO⁺ / Brown’s Gas
Gemeinsam elektrolytisch erzeugtes H₂ und O₂ im annähernden stöchiometrischen Verhältnis von 2:1.

Bei entsprechenden Asklepios-Systemen wird zusätzlich die Bezeichnung Wasserplasma verwendet. Dieser Begriff wird von uns jedoch nicht automatisch auf andere HHO⁺-Generatoren oder wissenschaftliche Publikationen übertragen.

Und was können wir heute bereits sagen?

Wir müssen H₂ nicht bei jeder Aussage vorsichtshalber in den Konjunktiv setzen.

H₂ kann Redoxprozesse beeinflussen.

H₂ kann mit mitochondrialen und entzündungsbezogenen Regulationswegen interagieren.

Und wir haben inzwischen Humanstudien identifiziert, in denen auch HHO⁺ / Brown’s Gas untersucht wurde.

Was noch nicht etabliert ist, ist ein spezifischer zusätzlicher medizinischer Nutzen von HHO⁺ / Brown’s Gas gegenüber einer vergleichbaren Exposition mit reinem H₂ oder H₂/O₂.

Unterscheiden sich H₂, H₂/O₂ und HHO⁺ / Brown’s Gas in ihrer biologischen Regulationswirkung?

Dafür brauchen wir direkte Vergleiche und eine bessere Beschreibung der tatsächlichen Exposition.

Gasart → Technik → Konzentration → Flow → Exposition → Ausgangszustand → biologische Reaktion → Adaptation → Erholung

Damit verändert sich auch die Frage, die uns seit Jahren begleitet.

Nicht mehr nur:

„Wirkt Wasserstoff?“

Sondern:

„Welche Form – H₂, H₂/O₂ oder HHO⁺ / Brown’s Gas – erzeugt bei welcher Exposition und welchem Ausgangszustand welche biologische Regulationsantwort?“

Genau dort beginnt für uns die nächste Phase der Wasserstoffforschung.

Herzliche Grüße

Jürgen Jansen
Hydrogen Regulation Institute